Bier Art

Altbier in Düsseldorf
Lecker Altbier und Frikadelle mit Düsseldorfer Senf. Wenn das Symbol für Braukunst ist, so dann doch ein Sinnbild für Rheinische Lebensart

Wasser, Malz, Hopfen und ein bisschen Hefe für die Gärung – fertig ist das Bier. So einfach ist es nicht. Ein richtig gutes Bier, dass einem aufs Köstlichste die Kehle runter rinnt und im Gaumen einen schönen, leicht bitteren Geschmack hinterlässt, ist ein Kunstwerk dessen Herstellung einiger Mühe bedarf. Es sind Handwerker, Wissenschaftler, am Ende aber Künstler, die in den Brauereien ein edles Pils oder deftiges Alt fertigen.

Dabei hat es lange, ja sehr lange gedauert, bis die Menschen in der Lage waren, vernünftiges Bier zu brauen. Die alten Ägypter legten halbfertig gebackenes Brot in Wasser und ließen es vergären. Immerhin konnten sich so auch die nicht wohlhabenden Menschen gelegentlich mal einen schädeln. Die vom Wein verwöhnten Römer kannten Bier als Cervisia, empfanden das Getränk aber als barbarisch, wohl auch, weil sie die höheren Weihen der Braukunst noch nicht erreicht hatten.

Im Mittelalter wurde auf dem heute deutschen Gebiet viel und gerne Bier getrunken. Es durchlief einen Prozess des Kochens, war damit keimfrei und gesünder als Wasser. Auch Kinder durften mittrinken, denn damals war der Alkoholgehalt noch geringer. Es entstanden immer mehr Klosterbrauereien, in denen Bier von zunehmend besserer Qualität gebraut wurde. Zunehmend wurde die „Grut“ die Kräutermischung oder Bierwürze von Hopfen verdrängt und im Brauprozess wurde obergärige Hefe, das so genannte „Oberzeug“ eingesetzt.

Erst als es dank neuer Kühltechniken möglich wurde, Bier kühl zu lagern und dabei die Haltbarkeit zu verlängern, nahm die Kunst der Brautechnik eine neue Hürde. Von nun an konnte untergärige Hefe eingesetzt werden, die den Vorteil hat, dass der Gärprozess bei einer kühlen Raumtemperatur von vier – neun Grad möglich ist, während die obergärige Hefe eine Umgebungstemperatur von 15 – 20 °C Grad benötigt. So wurde ab 1841 das untergärige Lagerbier von Anton Dreher in Wien gebraut.

Einen Höhepunkt erreichte die Kunst des Bierbrauens 1842 als das erste untergärige Bier nach Pilsener Brauart im böhmischen Pilsen hergestellt wurde. Es zeichnet sich aus durch seinen hohen Gehalt an Hopfen, dementsprechend seinem starken Hopfenaroma. Der Ursprung der Pilsener Brauart liegt in Bayern, wo man schon wusste, wie man schonend gedarrten und somit sehr hellen Malz herstellen kann. Bis heute sind das Hofbräuhaus in München oder das Oktoberfest weltweit Sinnbild für die Kunst des Bier(-trinkens).

Da die Herstellung eines wirklich guten, leckeren und bekömmlichen Bieres ein wahres Kunstwerk ist, liegt es nahe, dass sich Braukunst und plastische Kunst einander die Hand reichen. So zeigt das Buch „Bier“ von Manuela Reichhart und Peter Glückstein auf 248 Seiten wie Kunst und Bier symbiotisch miteinander verschmolzen sind. Und mit der Georg-Zentgraf-Stiftung aus Fürstenzell in Bayern gibt es gar eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, Künstlern, die sich mit Bier beschäftigen zu fördern. Regelmäßig veranstaltet die Stiftung Bildhauer-Symposien zum Thema Bier.

Den Höhepunkt der weltweiten Braukunst kann erleben, wer sich an den Niederrhein begibt. Hier wird in Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf Altbier hergestellt, ein obergäriger Wundertropfen nach alter traditioneller Brauart, dank des dunklen Malzes schön in der Farbe, flüssig im Abgang, herrlich in der Kehle, fantastisch im Gaumen.

In Köln dagegen ist die hohe Kunst des Bierbrauens nicht angekommen. Hier können die Braumeister weder ein leckeres Pils noch ein frisches Alt herstellen. Die Plörre, die man in Köln herstellt, riecht nicht nur mies, sie sieht auch aus wie eine abgewrackte wasserstoff-blondierte Straßenschwalbe.

Foto: Markus Lenk

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